Mit meinem Bild „Risse im Rosa Raum“ wollte ich eine Szenerie „erschaffen“, die den Betrachter im ersten Moment vielleicht täuscht. Der Raum wirkt auf den ersten Blick etwas chaotisch doch durch die rosa Farbgebung wirkt der er recht freundlich und sogar harmlos. Doch hinter dieser scheinbar schönen Fassade verbirgt sich die eigentliche Botschaft meines Bildes: ich möchte auf die Schattenseiten und die oft übersehenden Probleme beim Thema Frauenrechte und Feminismus aufmerksam machen.
Wenn man sich den Raum anschaut, fallen sofort die rosa Wände auf. Das Rosa steht hier jedoch nicht für etwas Schönes, ich benutze diese Farbe als Kritik am „Pinkwashing“. Firmen und Institutionen versuchen ein gutes Image zu erlangen, indem sie angeben plötzlich modern und feministisch zu sein und alles rosa anzumalen, um dadurch mehr Geld zu verdienen, was sich am „Pink-Tax“ zeigt, wo Frauen mehr für die rosa Produkte zahlen. Als Kontrast dazu ist die Wand links grau diese steht für den großen Grau-Bereich, also die Grauzone bei der Gleichberechtigung. Der Boden hat ein Schachbrettmuster, welches absichtlich nur grob ausgemalt ist und an den Rändern besonders unsauber. Zudem steht links auch eine Waage, die ein ungleiches Gewicht anzeigt. Damit will ich das weltweite Ungleichgewicht darstellen. In westlichen Industrieländern haben Frauen zwar ein stabiles Fundament, auch wenn immer noch viel Arbeit vor uns liegt, aber Frauen in der „dritten Welt“ haben oft keine Rechte. Der Fokus liegt also nur auf „reichen“ Ländern, dort baut man ein Fundament und um den „Rest“ wird sich eben später gekümmert.
Dass man diesem System kaum entkommen kann, zeigt sich auf der rechten Seite. Dort ist ein Durchgang dargestellt, aus dem zwei Beine in einer Spitzenstrumpfhose und Higheels herausragen. Damit will ich zeigen, wie sehr Frauen immer noch sexualisiert werden, denn eigentlich möchte man sich doch in diesen Strumpfhosen schön fühlen. Um diese Bedrohung deutlicher zu machen, habe ich in die Fenster und in den Durchgang Augen geklebt; diese bedeuten, dass man als Frau permanent beobachtet wird, es gibt also keinen Ausgang oder Versteck, selbst wenn man denkt, dass es dort einen Ausgang (Exit) gibt.
Direkt bei den Beinen fallen zwei Masken zu Boden. Dies hat eine doppelte Bedeutung. Erstens müssen wir Frauen endlich unsere Maske fallen lassen, also nicht mehr verstellen, aber dafür unsere Meinung äußern. Zweitens sollen die Masken der Politiker und Influencer fallen, denn viele tun so, als ob sie die größten Supporter von Frauenrechten und Feminismus sind, dabei handelt es sich hierbei oft um Marketing.
Oben links ist ein Megafon, was eigentlich ein Symbol des Protestes ist. aber langsam merkt man, dass diese Stimmen der Proteste wieder unterdrückt werden. Auch wenn wir unsere Rechte haben, sieht es weltweit düster aus. Als Beispiel möchte ich hierzu Afghanistan anführen, wo Frauen mittlerweile kaum mehr Rechte haben und öffentlich nicht sprechen dürfen. Deswegen sollten wir im Westen unsere Stimmen erheben, dies versuche ich in meinem Bild darzustellen.
Dieser Widerstand zeigt sich auch durch das Bett auf der linken Seite. Es hat kein Kopfkissen und ist mit einem blauen Tuch bedeckt, damit möchte ich eine Anspielung auf eine mutige Frau im Nahen Osten machen, die es gewagt hat, trotz eines Verbotes zu singen. Sie tat dies in einer blauen Burka, dies löste einen großen Protest aus. Andere Frauen dort trugen ab dann auch blau. Und viele Menschen auch hier im Westen in Deutschland hatten blaue Profilbilder, was den Zusammenhalt gezeigt hat. Dieses Tuch ist jedoch von Händen umzingelt, die danach grabschen dieses steht für das Begrabschen und Anfassen jedoch auch für all die „dreckigen“ Worte, also sexuelle Belästigung, denen Frauen weltweit ausgesetzt sind.
Im Hintergrund sieht man einen Farbverlauf von Blau zu Grün, was einen Wald darstellen soll. Ganz links, über dem Bett sieht man eine Hexe. Damit ziehe ich eine Verbindung von der Vergangenheit zu heute. Früher wurden Frauen, die zu intelligent oder „anders“ waren als eine Hexe bezeichnet und verbrannt. Heute geschieht meiner Meinung nach Ähnliches: Wer sich den Meinungen von (meistens) Männern in den Weg stellt, wird als Zicke oder eben als Hexe abgestempelt. Dieser Kampf ist sehr anstrengend, weswegen zwei Engelsflügel auf dem Boden, mittig liegen. Ganz oben hängt von der Decke ein Käfig anstatt einer Lampe herunter, in dem eine Person eingesperrt ist. Es soll den „Käfig der Vorurteile“ darstellen.
Abschließend lässt sich also sagen, dass ich keine heile Welt zeigen möchte, sondern die Extreme darstelle. Ich möchte die „Rosarote Brille“ abnehmen und die Risse in unserem System zeigen.